Kritische Differenzen — geteilte Perspektiven
Annette Schlichter, Antje Hornscheidt, Gabriele Jiihnert Seit Mitte der 80er Jahre werden feministische Diskurse durch die Frage nach Moglichkeiten und Grenzen postmodemer Theorien fUr die kritische Analyse und Veranderung von Geschlechterverhaltnissen entscheidend mit gepragt. Insbesondere akademische Debatten des anglo-amerikanischen Sprachraums brachten eine Flut von Titeln hervor, die -wie der fUr die Dis kussion paradigmatische Band FeminismlPostmodernism (1990) - proble matische Differenzen und potentielle Gemeinsamkeiten postmodemer und 1 feministischer Theoriebildungen explorieren. Wahrend gerade die US amerikanische Pubhkationspolitik stets ein offentliches Interesse an der Frage nach dem Verhaltnis von Postmodeme und Feminismus signalisierte, begann die deutschsprachige Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Wissensdiskursen eher zogerlich. Dies zeigt sich u. a. in der auffdlligen Ab wesenheit des Begriffspaars in den Titelverzeichnissen bibliographischer 2 Kataloge, die lediglich einige wenige Essays zum Thema enthalten. Es ware jedoch voreilig, aufgrund dieser Leerstelle von einem Des interesse an der Postmodeme auszugehen, denn spatestens die transkonti nentalen Theoretisierungen konfrontierten deutschsprachige Wissenschaftle rInnen mit den Herausforderungen an die feministische Theorie. Die Frage nach dem Verhaltnis von Postmodeme und Feminismus wurde hierzulande Weitere, bereits am Titel zu identiflZierende feministische Auseinandersetzungen mit postmodemen Theorien waren, urn nur einige Beispiele zu nennen: Jane Flax (1990): Thinking Fragments: Psychoanalysis, Feminism and Postmodemism in the Contemporary West; Henry Giroux (Hrsg.) (1991): Postmodemism, Femi nism and Cultural Politics. Redrawing Educational Boundaries; Susan Hekman (1992): Gender and Knowledge: Elements of a Postmodem Feminism; Meaghan Morris (1988): The Pirate's Fiance. Feminism, Reading, Postmodemism.