Der Begriff „Access and Benefit Sharing (ABS)“ wird als zusammenfassende
Abkürzung und Schlagwort für das dritte Ziel des Übereinkommens über
die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) in
der internationalen und nationalen Diskussion verwendet. Das dritte Ziel
der CBD soll dazu dienen, einerseits den Nutzern genetischer Ressourcen
(in der Regel aus Industriestaaten) Zugang zu diesen Ressourcen zu
ermöglichen, und andererseits die Bereitsteller dieser Ressourcen
(hauptsächlich aus Entwicklungsländern) gerecht und ausgewogen an den
monetären und nicht monetären Vorteilen aus der Nutzung der Ressourcen
zu beteiligen. Mit Inkrafttreten der CBD haben sich die Vertragsstaaten,
insbesondere die Länder reich an biologischen Ressourcen bemüht,
entsprechende Regelungswerke zu erlassen, weil sie sich dadurch erhofft
haben, an der wirtschaftlichen Nutzung ihrer Ressourcen beteiligt zu
werden. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Herausforderungen,
das dritte Ziel der CBD auf internationaler, regionaler und nationaler
Ebene umzusetzen. Die rechtlichen und institutionellen Herausforderungen
in der Umsetzung sind vielfältig. Im Oktober 2010 haben die
Vertragsstaaten in Japan das sog. Nagoya Protokoll zu ABS angenommen,
das den durch die CBD aufgestellten Rahmen für ABS ausfüllt und näher
konkretisiert. Der begonnene Ratifizierungsprozess zum Nagoya Protokoll
ist langwierig, da sich viele Vertragsstaaten über die Reichweite ihrer
Verpflichtungen aus dem Protokoll unsicher sind. Der jahrelange Weg zur
Annahme des Nagoya Protokolls und der im Zusammenhang mit der
Ratifizierung auftretenden Fragen zum Inhalt und zur Reichweite des
Nagoya Protokolls zeigen, dass die größte Herausforderung weiterhin sein
wird, den politischen Willen aller Vertragsstaaten für die Etablierung
eines international anerkannten, effektiven ABS-Regimes herzustellen.